Die Politik ist mit der Planung gesellschaftlicher Prozesse und grundlegender Veränderungen überfordert. Fortschritte werden lediglich schrittweise - über Versuch und Irrtum - erreicht statt über langfristig angelegte Strategien. Ob Wirtschaftskrise, Eurorettung, Sanktionen gegen Russland - alles wird nur in kleinen Schritten abgearbeitet. Der Fortschritt ist eine Schnecke.
Mittwoch, 21. Mai 2014
Dienstag, 4. März 2014
Warum wir eine neue Nachhaltigkeit brauchen
Zahlreiche frühe Hochkulturen sind an Wachstum und Maßlosigkeit kollabiert. Die Azteken haben sich aus Neid und Missgunst bekriegt, bis sie ausgestorben sind. Die alt-ägyptische Oberklasse hat sich überwiegend mit sich selber beschäftigt und ist letztendlich an Inzest und den daraus resultierenden Erbkrankheiten zugrunde gegangen. Das hispanische Reich ist an seiner Ausdehnung und den zu grenzenloser Inflation führenden Goldimporten aus den südamerikanischen Kolonien eingegangen. Ähnlich das römische Imperium. Ich sehe eine ähnliche Gefahr für unsere Gesellschaft, die grenzenlos und nicht nachhaltig bis zum Kollaps sich zu entwickeln droht. Die „Bankenkrise“ ist ein Symptom dieser Entwicklung, die Atom-Unfälle ein anderes.
Aus meiner Sicht kann man hinsichtlich einer erforderlichen Veränderung nicht auf die Vernunft Einzelner bauen, vielmehr ist eine ganz neue Gesellschaftsordnung erforderlich (eine „Utopie“ im ursprünglichen Wortsinn). Ähnlich wie im Wirtschaftsleben meine Doktrin ist, dass für eine erfolgreiche Unternehmensführung zunächst eine Strategie erforderlich ist, dann Geschäftsprozesse, die die Strategie unterstützen und umsetzen, und dann Tools und Infrastruktur für die Umsetzung der Prozesse, so braucht es in meiner „Utopie“ zunächst eine Vision einer neuen Gesellschaftsordnung (Strategie), dann einen Weg und Umsetzungsplan dorthin (Prozesse), und dann die Infrastruktur (z. B. erneuerbare Energien, mitarbeiter-orientierte Unternehmen usw.) dafür.
Damit stellt sich für mich die Frage, ob eine Parteien-Demokratie die richtige Staatsform ist. Oder wäre eine gelenkte Planwirtschaft (die zumindest gesellschaftliche Teilaspekte in Richtung der „Utopie“ lenkt und plant und aus dem partei-politischen Tagesgeschäft heraushält) eine Alternative? China ist sicherlich kein rühmliches Beispiel, aber es ist schon interessant, wie die wirtschaftliche Aufholjagd über einen Zeitraum von 50-100 Jahren planmäßig angegangen wird und in vielen Bereichen erfolgreich ist (im Gegensatz zu Rußland, wo mit dem Ende der Sowjetunion erstmal alle Strukturen vernichtet wurden und oligarchische Strukturen die Oberhand gewannen). Gerade China zeigt aufgrund der gewaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche im Land, dass die Demokratie in Umbruch- und Notsituationen kein geeignetes Gesellschaftssystem ist. Hier sind zentralistisch ausgerichtete Strukturen deutlich effektiver. Wie wäre es, wenn „Nachhaltigkeit“ in einem 50-Jahresplan zentralistisch gelenkt umgesetzt würde?
„Haben die Linken doch Recht?“ – Wie wäre es, wenn statt „Kommunismus“ in meiner Utopie „Nachhaltigkeit“ als das zu erreichende gesellschaftliche und politische Ziel definiert würde? Es war ja nicht alles im „sozialistischen Lager“ völlig falsch (z. B. Sozial- und Bildungswesen), wenn man von der politischen Durchdringung und Rotfärbung aller Lebensbereiche einmal absieht.
Oder ist eine „Experten-Regierung“ wie sie Ende 2011 in Italien eingesetzt wurde, geeignet, um bestimmte Themen (in meiner Utopie dann die Nachhaltigkeit) jenseits des Parteien- und Politikbetriebes voranzutreiben? Und auch in Griechenland werden derzeit Reformen durchgesetzt, deren Begleiterscheinungen definitiv nicht die Einzelinteressen der Bürger repräsentieren.
Wie kann man sich einer solchen Utopie realistisch und demokratisch legitimiert nähern? Vielleicht kann man schrittweise beginnen, einzelne gesellschaftliche Themenbereiche dem politischen Tagesgeschäft (das in Legislaturperioden getaktet ist, ständig auf gerade laufende Wahlkämpfe Rücksicht nehmen muss, von Lobbyisten beeinflusst wird etc.) entziehen und stattdessen einem „Nachhaltigkeitsrat“ unterwerfen. Und vielleicht wäre ein solcher Nachhaltigkeitsrat, der bestimmte Veränderungsthemen über sehr lange Zeiträume und partei-übergreifend „managt“, in einer neu zu definierenden Rolle des Bundespräsidenten unterzubringen. Kandidaten für solche Themen wären z. B.: Föderalismusreform (insbes. Schulsystem, Polizei-/Sicherheitsbehörden, Strukturreform Bundesländer), Bildungsreform, Sozialsysteme, Energiekonzept, Umsetzung von Umweltschutzvereinbarungen. Alles Themen, die nicht innerhalb vierjähriger Legislaturperioden und regelmäßigen Richtungswechseln (je nach Regierung) grundsätzlich und nachhaltig zu verändern (reformieren) sind.
Eine andere schöne Analogie ist das „Robo-Fußball“. Hier besteht die internationale Vision, dass im Jahr 2050 eine Roboter-Fußballmannschaft den amtierenden Fußball-Weltmeister schlagen soll. Jedes Jahr finden Robo-Cups statt, überwiegend mit Mannschaften von Schulen und Universitäten (aus der ganzen Welt), deren Roboter-Teams in verschiedenen Kategorien gegeneinander antreten. Nach jedem Turnier werden Technologien, Software, Algorithmen etc. offen gelegt, so dass alle Teams auf dem gleichen hohen Stand weitermachen und Innovationen für das nächste Turnier entwickeln können. Jedes Jahr werden die Anforderungen (Anzahl Spieler, Feldgröße, Komplexität der Regeln, Technologien u.a.) ganz deutlich angehoben, und seit kurzem treten sogar auf zwei Beinen laufende Roboter-Teams gegeneinander an. Die Innovationssprünge von Jahr zu Jahr sind gewaltig. Eines der Ziele ist vor allem auch, dass die heute teilnehmenden Schüler die Ingenieure von morgen sind und spielerisch sowie im Wettkampf untereinander auf die gemeinsame Vision hinarbeiten.
Auch hier werden die Rahmenbedingungen durch ein Komitee (analog zu dem „Nachhaltigkeitsrat“) gesetzt und Jahr für Jahr entsprechend den Fortschritten angepasst, in der Umsetzung bleibt den (Markt-) Teilnehmern jedoch freie Hand.
Aus meiner Sicht kann man hinsichtlich einer erforderlichen Veränderung nicht auf die Vernunft Einzelner bauen, vielmehr ist eine ganz neue Gesellschaftsordnung erforderlich (eine „Utopie“ im ursprünglichen Wortsinn). Ähnlich wie im Wirtschaftsleben meine Doktrin ist, dass für eine erfolgreiche Unternehmensführung zunächst eine Strategie erforderlich ist, dann Geschäftsprozesse, die die Strategie unterstützen und umsetzen, und dann Tools und Infrastruktur für die Umsetzung der Prozesse, so braucht es in meiner „Utopie“ zunächst eine Vision einer neuen Gesellschaftsordnung (Strategie), dann einen Weg und Umsetzungsplan dorthin (Prozesse), und dann die Infrastruktur (z. B. erneuerbare Energien, mitarbeiter-orientierte Unternehmen usw.) dafür.
Damit stellt sich für mich die Frage, ob eine Parteien-Demokratie die richtige Staatsform ist. Oder wäre eine gelenkte Planwirtschaft (die zumindest gesellschaftliche Teilaspekte in Richtung der „Utopie“ lenkt und plant und aus dem partei-politischen Tagesgeschäft heraushält) eine Alternative? China ist sicherlich kein rühmliches Beispiel, aber es ist schon interessant, wie die wirtschaftliche Aufholjagd über einen Zeitraum von 50-100 Jahren planmäßig angegangen wird und in vielen Bereichen erfolgreich ist (im Gegensatz zu Rußland, wo mit dem Ende der Sowjetunion erstmal alle Strukturen vernichtet wurden und oligarchische Strukturen die Oberhand gewannen). Gerade China zeigt aufgrund der gewaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche im Land, dass die Demokratie in Umbruch- und Notsituationen kein geeignetes Gesellschaftssystem ist. Hier sind zentralistisch ausgerichtete Strukturen deutlich effektiver. Wie wäre es, wenn „Nachhaltigkeit“ in einem 50-Jahresplan zentralistisch gelenkt umgesetzt würde?
„Haben die Linken doch Recht?“ – Wie wäre es, wenn statt „Kommunismus“ in meiner Utopie „Nachhaltigkeit“ als das zu erreichende gesellschaftliche und politische Ziel definiert würde? Es war ja nicht alles im „sozialistischen Lager“ völlig falsch (z. B. Sozial- und Bildungswesen), wenn man von der politischen Durchdringung und Rotfärbung aller Lebensbereiche einmal absieht.
Oder ist eine „Experten-Regierung“ wie sie Ende 2011 in Italien eingesetzt wurde, geeignet, um bestimmte Themen (in meiner Utopie dann die Nachhaltigkeit) jenseits des Parteien- und Politikbetriebes voranzutreiben? Und auch in Griechenland werden derzeit Reformen durchgesetzt, deren Begleiterscheinungen definitiv nicht die Einzelinteressen der Bürger repräsentieren.
Wie kann man sich einer solchen Utopie realistisch und demokratisch legitimiert nähern? Vielleicht kann man schrittweise beginnen, einzelne gesellschaftliche Themenbereiche dem politischen Tagesgeschäft (das in Legislaturperioden getaktet ist, ständig auf gerade laufende Wahlkämpfe Rücksicht nehmen muss, von Lobbyisten beeinflusst wird etc.) entziehen und stattdessen einem „Nachhaltigkeitsrat“ unterwerfen. Und vielleicht wäre ein solcher Nachhaltigkeitsrat, der bestimmte Veränderungsthemen über sehr lange Zeiträume und partei-übergreifend „managt“, in einer neu zu definierenden Rolle des Bundespräsidenten unterzubringen. Kandidaten für solche Themen wären z. B.: Föderalismusreform (insbes. Schulsystem, Polizei-/Sicherheitsbehörden, Strukturreform Bundesländer), Bildungsreform, Sozialsysteme, Energiekonzept, Umsetzung von Umweltschutzvereinbarungen. Alles Themen, die nicht innerhalb vierjähriger Legislaturperioden und regelmäßigen Richtungswechseln (je nach Regierung) grundsätzlich und nachhaltig zu verändern (reformieren) sind.
Eine andere schöne Analogie ist das „Robo-Fußball“. Hier besteht die internationale Vision, dass im Jahr 2050 eine Roboter-Fußballmannschaft den amtierenden Fußball-Weltmeister schlagen soll. Jedes Jahr finden Robo-Cups statt, überwiegend mit Mannschaften von Schulen und Universitäten (aus der ganzen Welt), deren Roboter-Teams in verschiedenen Kategorien gegeneinander antreten. Nach jedem Turnier werden Technologien, Software, Algorithmen etc. offen gelegt, so dass alle Teams auf dem gleichen hohen Stand weitermachen und Innovationen für das nächste Turnier entwickeln können. Jedes Jahr werden die Anforderungen (Anzahl Spieler, Feldgröße, Komplexität der Regeln, Technologien u.a.) ganz deutlich angehoben, und seit kurzem treten sogar auf zwei Beinen laufende Roboter-Teams gegeneinander an. Die Innovationssprünge von Jahr zu Jahr sind gewaltig. Eines der Ziele ist vor allem auch, dass die heute teilnehmenden Schüler die Ingenieure von morgen sind und spielerisch sowie im Wettkampf untereinander auf die gemeinsame Vision hinarbeiten.
Auch hier werden die Rahmenbedingungen durch ein Komitee (analog zu dem „Nachhaltigkeitsrat“) gesetzt und Jahr für Jahr entsprechend den Fortschritten angepasst, in der Umsetzung bleibt den (Markt-) Teilnehmern jedoch freie Hand.
Montag, 3. März 2014
Wirtschaftswachstum - wieviel ist genug?
Wachstum, Wachstum, Wachstum - warum dreht sich bei uns alles um weiteres Wachstum? Die Wirtschaft muss wachsen, Umsätze und Marktanteile von Unternehmen müssen wachsen, Börsenkurse müssen steigen. Wachstum ist aber kein Selbstzweck, und die Wirtschaft soll dem Menschen dienen. Natürlich kann man immer noch mehr verdienen, ein noch tolleres Auto fahren, oder ein noch schöneres Haus besitzen wollen, aber im Vergleich zu den Generationen vor uns geht es den meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, schon ziemlich gut. Wozu also immer noch mehr Wachstum, und warum nicht mehr Fokus auf Themen wie Glück, Sicherheit, Harmonie mit der Natur und mit anderen Menschen und ganz allgemein ein “gutes Leben”. Trotz all des technischen Fortschritts und des gigantischen Wirtschaftswachstums der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte sind wir abhängiger denn je von einem Wirtschaftssystem, in dem manche zu viel und viele nicht genug haben. Viele Führungskräfte in der Wirtschaft arbeiten wie ich 60 oder 80 Stunden in der Woche und kommen nicht aus ihrem Hamsterrad heraus, während andere gar keine Arbeit haben. Was also machen wir falsch? Wie können wir ein erfülltes Leben für möglichst viele erreichen? Was wären - anstelle von Wachstum, Wachstum, Wachstum - die richtigen Ziele für eine moderne Gesellschaft? Wie lassen sich diese politisch umsetzen? Und ist eine parlamentarische Demokratie dafür die geeignete Staatsform?
Abonnieren
Posts (Atom)